Abschluss von Kapitel 1 – Einordnung und Ausblick auf den weiteren Kurs
Wir haben in diesem Kapitel gesehen, wie aus Motchis Wunsch – „Ich möchte, dass meine Gäste nie wieder den falschen Tisch bekommen“ – Schritt für Schritt ein erstes Modell entstanden ist. Wer zum ersten Mal mit UML arbeitet, stellt sich dabei oft eine ganz natürliche Frage:
Viele Einsteigerinnen und Einsteiger betrachten Diagramme zunächst als reine Theorie oder als zusätzliche Aufgabe vor dem eigentlichen Programmieren. Tatsächlich begegnet dir UML jedoch in vielen Bereichen der Informatik – von der Ausbildung über Prüfungen bis hin zur professionellen Softwareentwicklung.
In der Ausbildung zum Fachinformatiker spielt UML seit vielen Jahren eine wichtige Rolle. Das liegt nicht daran, dass Unternehmen unbedingt möglichst viele Diagramme erstellen möchten. Vielmehr soll UML dabei helfen, strukturiertes Denken zu erlernen.
Hinter jedem Klassendiagramm stecken letztlich dieselben Fragen, die wir in diesem Kapitel bei Chez Motchi gestellt haben:
Genau diese Fähigkeiten werden auch unabhängig von UML benötigt, sobald später wirklich Software entwickelt wird.
Auch in Prüfungen werden regelmäßig Aufgaben zur Modellierung gestellt. Dabei geht es selten darum, möglichst viele UML-Symbole auswendig zu kennen.
Wer die Denkweise hinter der Modellierung verstanden hat, löst Prüfungsaufgaben meist deutlich leichter als jemand, der lediglich Notationen auswendig gelernt hat.
In Prüfungen zählt nicht nur, ob ein Symbol korrekt gezeichnet wurde. Entscheidend ist, ob du die Aufgabenstellung verstanden und daraus ein sinnvolles Modell entwickelt hast.
Im Berufsleben wird UML sehr unterschiedlich eingesetzt. Manche Unternehmen dokumentieren nahezu jedes Projekt mit UML-Diagrammen, andere nutzen nur einzelne Diagrammarten oder vereinfachte Darstellungen. Gerade bei größeren Projekten arbeiten dabei viele Personen zusammen – Entwicklerinnen und Entwickler, Projektleitungen, Testerinnen und Tester, Fachabteilungen, Kundinnen und Kunden wie Motchi.
Modelle helfen dabei, dass alle Beteiligten über dieselbe Struktur und dieselben Abläufe sprechen. Sie schaffen eine gemeinsame Grundlage für Kommunikation und Planung – wie wir es in der letzten Lektion selbst erlebt haben, als wir Motchis Frage zur neuen Reservierung mithilfe unseres Modells beantworten konnten.
UML ist nicht nur ein Werkzeug für Ausbildung oder Prüfungen. Die eigentliche Stärke liegt in der Fähigkeit, Probleme zu analysieren, Systeme zu strukturieren und komplexe Zusammenhänge verständlich darzustellen.
Die UML umfasst deutlich mehr Diagrammarten, als ein einzelner Kurs sinnvoll behandeln kann. Deshalb konzentrieren wir uns gezielt auf die Diagramme, die in Ausbildung und Prüfung für Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker besonders relevant sind – abgestimmt auf die jeweilige Fachrichtung.
| Fachrichtung | Diagrammarten in diesem Kurs |
|---|---|
| Fachinformatiker/in Systemintegration (FISI) | Klassendiagramm, Anwendungsfalldiagramm, Aktivitätsdiagramm |
| Fachinformatiker/in Anwendungsentwicklung (FIAE) | Klassendiagramm, Anwendungsfalldiagramm, Aktivitätsdiagramm, zusätzlich Zustandsdiagramm und Sequenzdiagramm |
FIAE baut also vollständig auf den Diagrammen von FISI auf und ergänzt sie um zwei weitere: das Zustandsdiagramm und das Sequenzdiagramm. Auf diese Auswahl begrenzt sich dieser Kurs vorerst bewusst – lieber wenige Diagrammarten gründlich verstehen, als viele nur oberflächlich kennen.
Der Kurs ist entsprechend mit vielen Praxisübungen aufgebaut, in denen wir das Gelernte immer wieder an Chez Motchi und weiteren Beispielen anwenden. Zum Abschluss jedes Diagrammtyps erhältst du außerdem gezielte Tipps für die Prüfung.
Im nächsten Kapitel steigen wir tief in das wichtigste dieser Diagramme ein: das Klassendiagramm. Dort verwandeln wir das grobe Skelett aus Gast, Tisch, Reservierung und Mitarbeiter, das wir in diesem Kapitel entworfen haben, in ein vollständiges, technisch präzises UML-Modell.