Die Systemgrenze aus Lektion 4.2 beantwortet die Frage „Was gehört zum System?“. Jetzt wenden wir uns der Gegenseite zu: Wer steht außerhalb dieser Grenze und interagiert mit dem System?
Ein Akteur (englisch: Actor) ist eine Rolle, die außerhalb der Systemgrenze mit dem System interagiert. Wichtig dabei: Ein Akteur beschreibt keine konkrete Person, sondern eine Rolle. Die Person „Frau Meier“ ist kein Akteur – aber die Rolle „Hundebesitzerin“, die Frau Meier gerade einnimmt, schon. Dieselbe Person kann sogar mehrere Rollen gleichzeitig einnehmen. In seltenen Fällen ist der Akteur zudem gar keine Person, sondern selbst wieder ein anderes System oder eine Maschine, die mit unserem System hier interagiert.
Ein Akteur muss auch keine menschliche Person sein. Auch ein externes System, ein Zeitgeber oder eine andere Software kann ein Akteur sein – entscheidend ist nur, dass die Interaktion von außerhalb der Systemgrenze erfolgt.
In der klassischen UML-Notation wird ein Akteur als kleines Strichmännchen gezeichnet: ein Kreis als Kopf, eine Linie als Rumpf, eine horizontale Linie für die Arme und ein Dreieck für die gespreizten Beine – darunter steht der Name der Rolle.
In den digitalen Lektionen dieses Kurses verwenden wir statt des handgezeichneten Strichmännchens meist das Personen-Emoji 🧍 – es steht für genau dasselbe Symbol, lässt sich aber zuverlässiger darstellen. Beim Zeichnen von Hand oder in professionellen UML-Tools bleibt das klassische Strichmännchen der Standard.
Alternativ – etwa wenn kein Strichmännchen zur Verfügung steht – reicht auch ein einfaches Rechteck mit dem Stereotyp <<Actor>> über dem Rollennamen. Alle drei Notationen sind gleichwertig.
Beide Darstellungen meinen exakt dasselbe – welche du wählst, ist reine Geschmackssache oder hängt vom verwendeten Zeichenwerkzeug ab.
Erst im Zusammenspiel mit der Systemgrenze und einer Assoziation – der Verbindungslinie zum Anwendungsfall – wird die Notation vollständig: Der Akteur steht außerhalb, die Linie führt in die Systemgrenze hinein bis zum betreffenden Anwendungsfall.
Für unser Verwaltungssystem ergeben sich drei Akteure: Hundebesitzer (meldet an, holt ab), Pensionsmitarbeiter (betreut Hunde, führt Gesundheitscheck durch) und Tierarzt (wird bei Auffälligkeiten hinzugezogen). Alle drei stehen außerhalb der Systemgrenze und interagieren jeweils über eigene Anwendungsfälle mit dem System.
Einsteiger benennen Akteure häufig nach konkreten Personen statt nach Rollen – etwa „Frau Meier“ statt „Hundebesitzerin“. Das macht das Diagramm unnötig unflexibel: Sobald eine andere Person dieselbe Rolle übernimmt, müsste das Diagramm sonst geändert werden. Rollen bleiben stabil, Personen wechseln.
Damit lässt sich der Unterschied klar zusammenfassen:
Ein Akteur ist eine Rolle, keine Person – und er steht immer außerhalb der Systemgrenze, verbunden über eine Assoziation zum Anwendungsfall.
Jetzt kennst du beide Seiten der Assoziation – Akteur und Systemgrenze. In Lektion 4.4 nehmen wir den Anwendungsfall selbst genauer unter die Lupe und schauen uns die Assoziation im Detail an.