Du kennst jetzt beide „Enden“ einer Beziehung: die Systemgrenze und den Akteur. In dieser Lektion fügen wir das fehlende Mittelstück hinzu – den Anwendungsfall selbst – und die Linie, die ihn mit dem Akteur verbindet.
Ein Anwendungsfall beschreibt eine Aktion oder eine zusammenhängende Folge von Aktionen, die das System für einen Akteur erbringt. Notiert wird er als Ellipse mit einem kurzen, sprechenden Namen darin.
Der Name eines Anwendungsfalls sollte immer aus der Sicht des Akteurs formuliert sein – als kurzer Verb-Substantiv-Ausdruck, der ein erkennbares Ziel beschreibt. „Hund anmelden“ ist ein guter Name; „Anmeldedaten in Datenbank speichern“ dagegen beschreibt bereits eine technische Umsetzung und gehört nicht in ein Anwendungsfalldiagramm.
| Gut (Anwendersicht) | Schlecht (Technische Sicht) |
|---|---|
| Hund anmelden | Datensatz in Tabelle „Hunde“ anlegen |
| Gesundheitscheck durchführen | Checkbox „gesund“ in Formular setzen |
| Rechnung ausdrucken | PDF generieren und an Drucker senden |
Die Assoziation ist eine einfache, durchgezogene Linie ohne Pfeilspitze. Sie zeigt lediglich, dass ein Akteur mit einem bestimmten Anwendungsfall in Beziehung steht – sie sagt nichts darüber aus, wer den Vorgang „startet“ oder in welche Richtung Daten fließen.
Der Akteur Hundebesitzer ist über eine Assoziation mit dem Anwendungsfall „Hund anmelden“ verbunden. Der Akteur Pensionsmitarbeiter ist über eigene Assoziationen mit „Gesundheitscheck durchführen“ und „Hund betreuen“ verbunden. Jede Linie steht für genau eine Beziehung zwischen einem Akteur und einem Anwendungsfall.
Einsteiger versehen die Assoziation häufig mit einer Pfeilspitze, um zu zeigen, „wer zuerst handelt“. Das ist nicht korrekt: Eine Assoziation zwischen Akteur und Anwendungsfall bleibt immer eine einfache Linie ohne Richtung. Pfeilspitzen gibt es in Anwendungsfalldiagrammen erst bei Einbindung und Generalisierung – dazu mehr in den nächsten Lektionen.
Damit lässt sich das Prinzip kurz zusammenfassen:
Ein Anwendungsfall wird nach dem Ziel des Akteurs benannt, nicht nach der technischen Umsetzung – und die Assoziation zu ihm bleibt immer eine schlichte Linie ohne Pfeilspitze.
Damit kennst du bereits alle Grundbausteine eines Anwendungsfalldiagramms: System, Akteur, Anwendungsfall und Assoziation. In Lektion 4.5 lernst du die erste Beziehung zwischen zwei Anwendungsfällen kennen – die Einbindung mit «include».