Bisher hast du Beziehungen zwischen Anwendungsfällen kennengelernt. Es gibt aber auch eine Beziehung, die Akteure und Anwendungsfälle betreffen kann: die Generalisierung. Sie kommt dir vielleicht aus Kapitel 3 (Vererbung) bereits bekannt vor – das Prinzip ist hier fast identisch.
Generalisierung beschreibt eine „ist ein“-Beziehung: Ein spezialisierter Akteur (oder Anwendungsfall) ist eine besondere Ausprägung eines allgemeineren. Der spezialisierte Akteur erbt dabei alle Assoziationen des allgemeinen Akteurs und kann zusätzlich eigene besitzen.
Das ist kein Zufall: Generalisierung im Anwendungsfalldiagramm funktioniert nach demselben Prinzip wie die Vererbung zwischen Klassen aus Kapitel 3. Dort erbte etwa die Klasse „Auto“ von „Fahrzeug“ – hier erbt der Akteur „Tierarzt“ von „Mitarbeiter“. Gleiches Konzept, gleiche Pfeilnotation, nur auf Akteure und Anwendungsfälle statt auf Klassen angewendet.
Die Generalisierung wird als durchgezogene Linie mit hohler (nicht ausgefüllter) Pfeilspitze gezeichnet. Die Pfeilspitze zeigt dabei immer zum allgemeineren Element – genau wie bei der Vererbung zwischen Klassen.
Beide Pfeile zeigen nach oben zu „Mitarbeiter“ – dem allgemeineren Akteur. „Pensionsmitarbeiter“ und „Tierarzt“ sind jeweils spezialisierte Ausprägungen davon.
Sowohl Pensionsmitarbeiter als auch Tierarzt sind Spezialisierungen des allgemeineren Akteurs Mitarbeiter. Alles, was für „Mitarbeiter“ gilt (zum Beispiel eine gemeinsame Assoziation zu „Sich anmelden“), gilt automatisch auch für beide spezialisierten Akteure – zusätzlich hat jeder von ihnen noch eigene, speziellere Anwendungsfälle.
Generalisierung funktioniert nach genau demselben Prinzip auch zwischen zwei Anwendungsfällen: Ein allgemeiner Anwendungsfall beschreibt das gemeinsame Grundverhalten, spezialisierte Anwendungsfälle verfeinern es für einen konkreten Fall.
„Bar bezahlen“ und „Per Karte bezahlen“ sind beides spezialisierte Varianten von „Aufenthalt bezahlen“ – beide Pfeile zeigen zum allgemeineren Anwendungsfall, genau wie bei den Akteuren.
Die Pfeilrichtung wird bei der Generalisierung besonders häufig verwechselt, weil sie der intuitiven Leserichtung widerspricht: Man könnte meinen, der Pfeil müsse vom Allgemeinen zum Speziellen zeigen („Mitarbeiter → Tierarzt“). Tatsächlich ist es umgekehrt – die Pfeilspitze zeigt immer zum allgemeineren Element, exakt wie bei der Vererbung in Klassendiagrammen.
Damit lässt sich die Regel kurz merken:
Die hohle Pfeilspitze der Generalisierung zeigt immer zum allgemeineren Akteur oder Anwendungsfall – nie zum spezialisierten.
Damit kennst du alle Notationselemente eines Anwendungsfalldiagramms. In Lektion 4.8 fassen wir das gesamte Kapitel noch einmal übersichtlich zusammen, bevor es in Kapitel 5 weitergeht.