Etappe 1: Vom Kundenwunsch zur Analyse
Bevor wir irgendetwas Neues planen, müssen wir zunächst verstehen, wie es bei Chez Motchi heute schon abläuft. Diesen ersten Blick auf die bestehende Situation nennt man Ist-Analyse. Sie bildet den eigentlichen Beginn der Analysephase.
Die Ist-Analyse erfasst, wie ein System – hier Motchis Café – aktuell tatsächlich funktioniert, bevor über eine neue Lösung nachgedacht wird.
Wichtig ist: In der Ist-Analyse entwerfen wir noch keine Lösung. Wir sammeln zunächst nur Wissen darüber, wie die Dinge heute laufen.
Motchi hat ein kleines Café. Bisher läuft vieles über Notizbücher, Zettel und das Gedächtnis der Mitarbeiter. Bevor eine Software entworfen wird, muss der Auftrag – eine Verwaltungssoftware für ein Café – zunächst besser verstanden werden. Genau das ist das Ziel dieser Phase: Ist-Analyse und spätere Soll-Konzeption.
Ein guter Ausgangspunkt für die Ist-Analyse sind Fragen zu den täglichen Abläufen im Café.
Neben den Abläufen selbst müssen wir auch die vorhandenen Ressourcen verstehen.
Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, entsteht ein realistisches Bild davon, was die neue Software überhaupt leisten muss – und was sie leisten kann, ohne Motchis Budget oder sein kleines Team zu überfordern.
In der Praxis findet die Ist-Analyse häufig im direkten Gespräch statt. Motchi kennt sein Café bis ins kleinste Detail – die Entwicklerin oder der Entwickler kennt dagegen die Möglichkeiten und Grenzen der Software. Erst im gemeinsamen Gespräch entsteht ein vollständiges Bild.
Diese Fragen sollten am Ende der Ist-Analyse beantwortet und schriftlich festgehalten sein – als gemeinsame Grundlage für die nächsten Schritte.
Ein häufiger Fehler besteht darin, die Ist-Analyse zu überspringen und direkt mit Wunschvorstellungen zu beginnen. Wird zum Beispiel angenommen, dass Chez Motchi nur einen einzigen Mitarbeiter beschäftigt, obwohl in der Hochsaison mehrere Aushilfen gleichzeitig arbeiten, führt das später zu einem Modell, das an der Realität vorbeigeht.
Aus den Erkenntnissen der Ist-Analyse entstehen im nächsten Schritt konkrete Anforderungen. In der nächsten Lektion lernen wir, wie man diese sauber formuliert – und warum dabei zwischen funktionalen und nicht-funktionalen Anforderungen unterschieden wird.